Magazin
Ausgabe Juni 2010
Fit und gesund
Heilerde
Gesunder Schlamm

- iStockphoto/Thompson

Naturheilmittel liegen im Trend. Man entdeckt heute Mittel wieder, die schon lange vor der Schulmedizin erfolgreich angewendet wurden. So auch der Rundumhelfer Heilerde.
Heilerde ähnelt optisch einem Häufchen feinem Sand und in Wasser gelöst riecht sie nach Schlamm. Dieser Eindruck ist nicht ganz falsch: Das reine Naturprodukt wird durch den Abbau von Lehm, Ton oder Löss gewonnen. Diese alten Gesteins- und Staubablagerungen werden dann unterschiedlich fein gemahlen. Zugesetzt wird in der Regel nichts, bei besonderen Kuren wie dem italienischen Fango werden der Heilerde jedoch noch Mikroorganismen beigegeben. Je nachdem, wo und wie Heilerde abgebaut wird, liefert sie dem Körper wichtige Mineralien wie Kalium, Kalzium, Magnesium und Natrium. Allen Heilerden gemein ist jedoch ihre Bindekraft.Mit der Kraft der Physik
Abhängig von der Art der Behandlung lagern sich an der Oberfläche der Körnchen Wasser, Säure oder Fett an (Adsorption) oder werden in das Innere der winzigen Teilchen aufgenommen (Absorption) und so aus dem Körper transportiert. Dabei gilt: je feiner die Körnchen, desto größer ihre Oberfläche und damit die physikalischen Kräfte, die dabei wirken. Sehr feine Präparate erreichen Oberflächen bis zu sechs Quadratmeter pro Gramm.
Heilerde kann je nach Anwendungsgebiet äußerlich oder innerlich, wärmend oder kühlend eingesetzt werden und entfaltet je nachdem eine andere Wirkung.
Was Heilerde kann

- Foto: Fotolia/emmi
Gesichtsmasken aus Heilerde entwickeln beim Trocknen eine Saugkraft, die Fett, Talg, Bakterien und Wundsekrete aus der Haut zieht. Nach demselben Prinzip kann man sie auch auf oberflächliche Wunden wie leichte Verbrennungen, Sonnenbrand, Insektenstiche oder Krampfadern auftragen. Bei Hautkrankheiten wie Flechten oder Neurodermitis lindert kalte Heilerdepaste den Juckreiz.
Auch bei Beschwerden am Bewegungsapparat wie rheumatischen Schmerzen und Gelenkentzündungen hilft Heilerde: Kalte Wickel wirken schmerzlindernd bei akuten Entzündungen, Prellungen oder Verstauchungen, da sie den Stoffwechsel verlangsamen. Durch ihre Saugkraft gehen auch Schwellungen zurück. Warme Wickel hingegen regen die Durchblutung an und wirken entkrampfend und mit Tiefenwärme gegen nichtentzündliche Schmerzherde wie Arthrose.
Selbstverständlich ersetzt Heilerde, besonders bei anhaltenden Beschwerden, nicht den Gang zum Arzt. Aber sie kann Beschwerden lindern – und das auf natürliche und schonende Weise ohne bekannte Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen.
So wird's gemacht

- Foto: iStockphoto/Nikola Miljkovic

Für die innere Anwendung die benötigte Dosis Heilerdepulver in lauwarmes (Mineral-) Wasser oder Tee einrühren. Achtung:
Säurehaltige Säfte sind hierfür nicht geeignet!
Bei äußerer Anwendung wird in der Regel aus sieben Teilen Wasser und zwei Teilen Heilerde eine Paste gerührt, die mindestens einen halben Zentimeter dick auf die Haut aufgetragen wird. Dabei gilt:
- je größer die Körperregion, desto dünner die Heilerdeschicht.
- die Paste nach dem Trocknen mit lauwarmem Wasser abwaschen oder – für einen zusätzlichen Peelingeffekt – mit einem Tuch sanft abrubbeln.
Gerade an Armen und Beinen bieten sich warme und kalte Wickel an. Hierzu einfach den Heilerdebrei wie gewohnt auftragen und zuerst mit einem feuchten und dann mit einem trockenen Tuch umwickeln. Beachten Sie:
- warme Wickel nach vollständigem Trocknen abnehmen
- kalte Wickel wieder abnehmen, sobald ein Wärmegefühl auftritt und bei Bedarf erneuern.


