Magazin
Ausgabe April 2010
Treffen und kennen lernen

?Frau Glas, Sie sind seit gut 15 Jahren Schirmherrin der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, die sich für die Rechte von Schwerstkranken und Sterbenden einsetzt. Warum ist Ihnen dieses Engagement wichtig?
!Die Rechte der Schwerstkranken und Sterbenden liegen mir sehr am Herzen. Schließlich müssen wir alle einmal sterben. Und dann erlebt jeder das Gleiche: Eine Gesellschaft, die wegschaut. Das will ich durch mein Engagement ändern. Ich will, dass wir hinschauen, wenn unsere Mitmenschen leiden und sterben – in Pflegeheimen, in Krankenhäusern und auch daheim. Schließlich ist der Umgang mit Sterbenden und mit dem Tod immer auch ein Spiegelbild unseres Umgangs mit dem Leben. Hier wie dort muss die Maxime sein: Schutz des Lebens und Achtung vor dem Menschen.
?Gibt es ein persönliches Erlebnis, das Ihr Engagement erklärt?
!Als mein Vater an Lungenkrebs starb, habe ich das Leiden und Sterben zum ersten Mal aus nächster Nähe erlebt. Wir hatten damals keine Patientenschutzorganisation, die uns mit Rat und Tat zur Seite stand. Seit ich mich für die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung engagiere, weiß ich, wie viel Hilfe möglich ist – für die Sterbenden selbst und auch für ihre Angehörigen.
?Welche Hilfe leistet die Deutsche Hospiz Stiftung denn konkret?
!Schwerstkranke oder ihre Angehörigen können sich jederzeit an die Stiftung wenden – zum Beispiel wenn sich ein Arzt weigert, die zustehende Schmerztherapie vorzunehmen. Allein an unserem kostenlosen Hospiz- und Patientenschutztelefon haben wir im vergangenen Jahr 24.600 Mal fachkundige Hilfe geleistet. Aber die Deutsche Hospiz Stiftung berät hilfesuchende Menschen nicht nur, sondern schaltet sich – wenn nötig – auch direkt ein. Außerdem machen wir uns für Patientenverfügungen stark. Gerade in diesem Bereich ist der Beratungsbedarf groß, allein im letzten Jahr hatten wir 7.800 Anfragen. Nicht zuletzt mischen wir uns in die öffentliche Debatte um die Gesundheitsversorgung der Schwerstkranken und Sterbenden ein. Schließlich ist es so, dass nur 12,5 Prozent der Betroffenen die Sterbebegleitung erhalten, die nötig wäre, um ihre Selbstbestimmung Realität werden zu lassen. Um einen grundsätzlichen Wandel herbeizuführen, muss der Hospizgedanke – also Fürsorge und Selbstbestimmung bis zuletzt – überall dort Einzug halten, wo Menschen sterben.
?Also nicht nur in Hospizen oder ambulanten Diensten, sondern auch in Pflegeheimen?
!Gerade dort. Denn die Angst, zum Pflegefall zu werden, gehört zu den größten Sorgen der Generation 50plus – weit vor der Furcht, einen Unfall zu haben oder in eine finanzielle Notlage zu geraten. Vergessen wir nicht: Etwa jeder Zweite wird im Laufe seines letzten Lebensjahres pflegebedürftig. Und die Angst davor treibt die Menschen in die Arme von selbst ernannten Sterbehelfern.
?Könnte der Grund dafür nicht auch der Wunsch sein, über das eigene Sterben zu bestimmen?
!Ich frage mich, ob der Ruf nach aktiver Sterbehilfe oder Hilfe zum Suizid wirklich selbstbestimmt ist. Ist es nicht vielmehr so, dass Menschen diesen Weg suchen, weil wir ihnen keine Alternativen bieten?
?Wie möchten Sie selber sterben?
!Früher habe ich – wie wahrscheinlich viele andere – gedacht: Am liebsten möchte ich einfach umfallen und tot sein. Heute sehe ich das anders. Ich habe gelernt, wie wichtig die Zeit des Abschiednehmens ist. Man nannte das früher: Das Feld bestellen. Wer das tut, kann leben. Carpe diem – nutze den Tag!
Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung …
- wurde 1995 durch den Malteserorden gegründet.
- ist gemeinnützig, unabhängig und überparteilich.
- finanziert sich ausschließlich aus den Beiträgen ihrer 55.000 Mitglieder sowie aus Spenden.
- ist deutschlandweit die einzige unabhängige Patientenschutzorganisation für Schwerstkranke und Sterbende.
- vertritt diese Patientengruppe und ihre Angehörigen gegenüber Politik, Krankenkassen und Leistungserbringern wie Ärzten, Krankenhäusern oder Pflegeheimen und kämpft bundesweit gegen Willkür und Kostendruck im Gesundheitswesen.
Sie unterstützt Betroffene und Angehörige, indem sie …
- Raum und Zeit bietet zur fachkundigen Beantwortung aller Fragen zum Patientenschutz für Schwerstkranke und Sterbende.
- am kostenlosen bundesweiten Hospiz- und Pa tientenschutz telefon in dividuell und unbürokratisch berät.
- beim Verfassen verbindlicher und praxistauglicher Patienten verfügungen berät.
- durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit aufklärt, auf Missstände aufmerksam macht und den Betroffenen eine Stimme gibt.
- mit Wissenschaft und Forschung sowie allen anderen, die sich den gleichen Zielen verpflichtet fühlen, zusammenarbeitet.
- die Informationsdienste „Hospiz Info Brief“ und „Hospiz Patientenschutz Aktuell“ sowie die Publikation „Hospiz bewegt“ herausgibt.
Weitere Informationen
Patientenschutzorganisation
Deutsche Hospiz Stiftung
Europaplatz 744269 Dortmund
Telefon 02 31/7 38 07 30
www.hospize.de
Fotos: Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung
