LebensZeit - April_Magazin: CD- und Buchbesprechungen

Magazin                    
Ausgabe April 2010

CD- und Buchbesprechungen

Die brandneue DVD „Julie & Julia“ – nach dem gleichnamigen Film – erzählt die Geschichte zweier Köchinnen, die in sehr unterschiedlichen Zeiten das Kochen für sich entdecken. Zum einen wird Julia Child – gespielt von Meryl Streep – vorgestellt. Sie hat in den 60er Jahren das erste französische Kochbuch in englischer Sprache veröffentlicht. Zum anderen wird die Geschichte der jungen Hobbyköchin Julie Powell – gespielt von Amy Adams – erzählt. Sie beschließt im Jahr 2002, die über 500 Rezepte aus dem Buch von Julia Child in 365 Tagen nachzukochen und im Internet in Form eines Tagebuchs darüber zu berichten. Trotz herber Rückschläge, Selbstzweifel und verpasster Chancen entwickelt sich ihr Blog peu à peu zum Erfolg. Ein fantastisches Rezept mit tollen Zutaten für einen wunderbaren Abend.

Sony Pictures Home Entertainment, München 2010



Im Hörbuch „Die Nacht ist aus Tinte gemacht“ erzählt Herta Müller von ihrer Kindheit im rumänischen Banat. Aus dem Gespräch heraus, ohne Manuskriptvorlage, erzeugt die behutsam sich vorantastende Stimme der Nobelpreisträgerin eine dichte, spannungsreiche Atmosphäre, in der vor dem Ohr des Hörers eine Welt zum Leben erweckt wird, die nur noch in der Erinnerung existiert. Das Leben der Banater Schwaben in Nitzkydorf ist geprägt von bäuerlichen Bräuchen und harter Arbeit. Die Abgeschlossenheit dieses kleinen Kosmos bekommt durch den Schulbesuch erste Risse: Im ständigen Wechsel zwischen Dialekt, Hochdeutsch und Rumänisch entdeckt das Kind, dass die Sprachen ganz unterschiedliche Augen haben, mit denen je andere Dinge wahrgenommen werden können. Durch die Risse wird aber auch die Gewalt deutlicher er kennbar, die in den Körpern sitzt, derer sich die politischen Regime brutal ermächtigen.
Supposé Verlag, Berlin 2009


Emmas Glück: Ein „sau“-komisches Hörbuch von Claudia Schreiber.
Noch ein letztes Mal will der sterbenskranke Max das Land sehen, wo er den einzigen Traumurlaub seines jungen Lebens verbrachte. Um die Reise finanzieren zu können, bricht er nachts in eine Autofirma ein. Doch er wird dabei überrascht und flieht Hals über Kopf mit einem gestohlenen Ferrari. Die Fahrt endet an einem Baum auf dem Gelände eines einsam gelegenen Bauernhofs. Das laute Krachen des zerschellenden Autos reißt die Bäuerin Emma jäh aus dem Schlaf: Sie zerrt den bewusstlosen Fahrer ins Hausund verarztet ihn. Emma sucht seine Papiere im Auto und findet einen Plastiksack voller Geld. Kurz entschlossen versteckt sie es im Schweinestall und zündet das Unfallauto an. Als die Polizei am nächsten Tag ermittelt, mimt Emma die Ahnungslose. Mit gutem Grund: Einsam und völlig verschuldet sehnt sie sich seit Jahren nach zweierlei: nach einem Mann und nach Geld.
Label Hörbuch Hamburg, Hamburg 2008

Sängerin und Songwriterin Rosanne Cash macht mit ihrer neuen CD „The List“ nicht nur das Dutzend Alben in ihrer schillernden Solokarriere voll, sie zeigt sich darauf auch auf besondere Art und Weise dem Erbe ihres verstorbenen Vaters Johnny Cash verbunden. Die zwölf Interpretationen klassischer Songs fundieren auf einer Liste der 100 bedeutendsten Country-Stücke, die ihr Vater 1973 zusammengestellt und seiner Tochter zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt hatte. Selten hat man ihre ausgezeichnete Stimme so hingebungsvoll gehört, man spürt förmlich die hohe Wertschätzung der Songs, die durch Rosanne Cashs makellose Interpretation an Kraft und Schönheit gewinnen und nun endgültig einen festen Platz im Great American Songbook einnehmen. Schöner kann man ein Erbe nicht verwalten.
Label EMI Records, Köln 2009


Das neue Album „Tattoos“ von Peter Maffay ist pünktlich zu seinem 40-jährigen Bühnenjubiläum erschienen. Es enthält alle wichtigen und erfolgreichen Songs seiner Karriere – von „Du“ über „Und es war Sommer“ und „Über sieben Brücken mußt Du geh’n“ bis zu „Josie“, „Eiszeit“ und „Nessaja“ aus „Tabaluga“. Alle Songs sind neu produziert und arrangiert, mal rockiger, mal mit gefühlvollen Streichern. Denn erstmalig wird Peter Maffay und seine Band von einem philharmonischen Orchester begleitet. Ein Muss für alle Peter-Maffay-Fans.
Label Ariola, München 2010

 

 

Die PatientenLeitlinie „Diagnose Brustkrebs – DCIS und Brustkrebs im frühen Stadium“ ist Bestandteil des Leitlinienprogramms Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und richtet sich an Frauen, die an Brustkrebs im frühen Stadium oder DCIS erkrankt sind. Der Ratgeber bietet verlässliche Informationen und ist die zurzeit umfangreichste und aktuellste Zusammenstellung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Dazu gehört auch die „Übersetzung“ der Fachinformationen für die Patientinnen. Weitere Informationen sowie die Leitlinie zum kostenlosen Download gibt es unter:
www.krebsgesellschaft.de






„Es ist nie zu spät für alles“ von Kajsa Ingemarrson ist das neue Lieblingsbuch aus Schweden. In einer idyllisch gelegenen Vorortsiedlung einer kleinen schwedischen Stadt leben Nina, Ellinor und Miriam. Nina ist Frisörin, geschieden, und lebt mit ihrem halbwüchsigen Sohn zusammen. Ihr Motto lautet: Was brauche ich einen Mann, wenn ich eine Badewanne habe. Ellinor ist eine junge Rechtsanwältin, der das Babyjahr mächtig zusetzt. Miriam war immer Hausfrau und hat zwei erwachsene Kinder. Als ihr Ehemann Frank sie nach 36 Jahren wegen einer anderen Frau verlässt, bricht für sie eine Welt zusammen. Alle drei Frauen stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben, doch erst die geheimnisvolle Janina, die in das leer stehende Haus am Ende der Straße zieht, wird ihnen zeigen, wie sie neue Wege beschreiten können.
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2009




In seinem aktuellen Buch „Die Frau mit dem roten Tuch“ erfahren wir von Jostein Gaarder, wie ein dramatisches Ereignis eine Liebe zum Scheitern bringt. 30 Jahre später trifft sich das ehemalige Paar überraschend wieder – am gleichen Ort in Norwegen, an dem sich der Vorfall ereignete. Ist es Schicksal oder einfach nur Zufall, dass sie sich genau dort wieder begegnen? In einem Briefwechsel erinnern sie sich, was damals eigentlich geschah. Wie sie heftig verliebt ins Fjordland fuhren, eine wahnsinnige Dummheit begingen und jener rätselhaften Frau mit dem roten Tuch begegneten. Gibt es Kräfte, die stärker sind, als Vernunft und Wissenschaft es wahrhaben wollen? Jeder der beiden hat seine eigene Philosophie. Um endgültig Klarheit über das rätselhafte Erlebnis zu gewinnen, beschließen sie, sich noch einmal wiederzusehen.
Hanser Verlag, München 2010





Im gerade erschienenen Buch „Unser Jahrhundert“ sprechen Fritz Stern und Helmut Schmidt über Themen, die ihnen am Herzen liegen. „Fangen Sie an, Fritz“ – mit diesem Satz beginnt die Begegnung. Helmut Schmidt und Fritz Stern kennen sich seit vielen Jahren und haben sich im Sommer 2009 zusammengesetzt. Ein Bundeskanzler außer Dienst und ein amerikanischer Historiker deutscher Herkunft tauschenErinnerungen, Erfahrungen und Argumente aus, die um die großen Fragen ihres Jahrhunderts kreisen. Helmut Schmidt und Fritz Stern diskutieren mal im Konsens, mal im Widerspruch und analysieren die aktuelle Lage. Ob sie über Bismarck oder den Nahost-Konflikt sprechen, über den Zweiten Weltkrieg oder den Aufstieg Chinas, über Obama oder die Finanzkrise – stets geht es scharfsinnig und kurzweilig zu bei diesem Gespräch unter Freunden.
C.H. Beck Verlag, München 2010




In dem Bildband „Schön war`s!“ von Stefan Hunstein werden Motive von Ansichtskarten der jungen Bundesrepublik aus den 1950er- und 1960er-Jahren bildtechnisch manipuliert und teilweise nachkoloriert. Hierbei interessierte Stefan Hunstein insbesondere die Frage, nach den Idealen und Sehnsüchten einer Gesellschaft im Wiederaufbau. Und da Ansichtskarten viel über die Ideale und das Selbstverständnis einer Gesellschaft aussagen, entstand in der Summe der Arbeiten ein eindrucksvolles „Panorama der Sehnsucht“ einer kriegsgeschüttelten Gesellschaft.

Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2009