Magazin
Ausgabe Februar 2010
Treffen und kennen lernen

Dinosaurier – Gegen uns seht ihr alt aus!“ heißt die neue Komödie über das Älterwerden, über Freundschaft und Liebe. „Typisch Komödie“ könnte man meinen und hätte recht. Nur dass diese im Seniorenheim spielt und sich das romantische Liebespaar weit jenseits des Pensionsalters befindet. Auch die Streiche der Rasselbande im Ruhestand richten sich nicht gegen den Lehrer oder den Chef, sondern gegen den Heimleiter und bestehen unter anderem darin, Pflegestufen nach oben zu frisieren. Denn im Heim der Dinosaurier kommt die Erhöhung einer Pflegestufe einer Aufrüstung gleich: Einzelzimmer mit Blick auf den Fluss des Lebens.
Früher drehte Regisseur Leander Haußmann Filme über rebellische Jugendliche. Die Helden seines neuesten Werkes haben ebenfalls ihre Probleme mit dem Älterwerden, wenn auch ganz andere: vom Ärger mit den „Dritten“ über eine ganze Palette verschiedener Krankheiten, Leiden und Wehwehchen bis hin zu einer gewissen Naivität einer sehr viel jüngeren Gesellschaft gegenüber, die sie ausnutzen und übers Ohr hauen will. Letzteres hat Lena Braake, Hauptperson und Neuankömmling im Seniorenheim, ihr Haus gekostet: Sie hat sich mit einem skrupellosen Banker eingelassen. Dass dieses Motiv gerade jetzt imFilm aufgegriffen wird, ist sicherlich kein Zufall: „Ich glaube, dass sich jeder darüber freut, wenn die Bank am Ende einen übergebraten bekommt“, kommentiert Produzent Oliver Berben, „bei dieser Form der Gier, die sich in den letzten Jahren entwickelt und die beinahe eine ganze Gesellschaft mit in den Abgrund gezogen hat, verstehe ich gut, wenn man sich mit Freuden über Bankmanager lustig macht.“

Jung und Alt beim Dreh
Doch nicht nur die Heimbewohner aus dem Film haben jede Menge Erfahrung im Älterwerden, sondern auch die Schauspieler, die sie verkörpern. Unter ihnen finden sich legendäre Künstler wie Eva- Maria Hagen, Ezard Haußmann, Walter Giller, Nadja Tiller, Horst Pinnow, Ralf Wolter und Heinz Meier. Sie alle haben die 70 überschritten und einige auch schon die 80. Da musste das Arbeitspensum natürlich angepasst werden, sodass sich die betagten Darsteller bei den Dreharbeiten sicher und vor allem auch wohlfühlen konnten. Andererseits bedeutete ein derart renommiertes Ensemble mit einer gewaltigen Bühnenerfahrung auch für Regisseur Leander Haußmann eine Herausforderung: „Seien sie mal 80 Jahre alt und lassen sie sich von einem jungen 50-jährigen Hüpfer sagen, was er tun soll. Oder – noch schlimmer: was komisch ist“, gibt er der Presse zu bedenken. Mit Respekt traten den Film- und Theaterikonen auch ihre jüngeren Kollegen beim Dreh gegenüber. Produzent Herman Weigel erinnert sich: „Nadja Tiller zum Beispiel war zu ihrer Zeit ein Superstar – sie hat eine Behandlung genossen, das kennen Schauspieler wie Tom Gerhardt und Daniel Brühl heute gar nicht.“ Verständlich, wenn einen da schon mal die Ehrfurcht ergreift. 
Familienprojekt
Eine besondere Art des Zusammentreffens der Generationen gab es bei der Familie Haußmann. Regisseur Leander Haußmann holte neben seinem Vater Ezard, der die männliche Hauptfigur Johann Schneider verkörpert, noch weitere Familienmitglieder ans Set. Er selbst tritt in einer Nebenrolle als Sohn seines Vaters auf, dessen Sohn wiederum von Leanders Sohn gespielt wird. Darüber hinaus engagierte er seine Schwester, die Altenpflegerin Iris Geister-Haußmann, die im Film auch die Rolle der Schwester Iris übernahm. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bei den älteren Schauspielern musste regelmäßig der Blutdruck gemessen werden und so war nicht nur das Messgerät, sondern auch die Krankenschwester stets präsent. Sie gab allen Beteiligten die Sicherheit, dass während der Dreharbeiten trotz einiger ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden alles richtig lief.Fazit
Die sogenannten Jungen und Schönen haben weder das Kino noch die Freude am Leben gepachtet. „Dinosaurier“ will mehr, als Illusionen fernab der Realität erzeugen, hier sind andere Typen gefragt. In dieser wunderbaren Komödie erobern alte Legenden Lena Braakes Haus und die Leinwand zurück und zeigen, was im hohen Alter noch alles möglich ist. Dafür steht Lena Braake, die sich mit der Situation im Altersheim nicht zufrieden geben will. Sie nimmt den Kampf auf für das Leben, das sie bis ans Ende ihrer Tage in eigener Regie führen will.Dafür steht auch Ezard Haußmann, der nach den Dreharbeiten schwer erkrankte und dennoch bei der Prämiere in Berlin mit seinem Sohn über den Roten Teppich ging. Die Charaktere im Film schmieden Pläne, gehen Unternehmungen an und erreichen viel damit. Und im wirklichen Leben demonstrieren die betagten Bühnen- und Leinwandgrößen mit diesem Projekt, was heute noch in ihnen steckt. Im wahrsten Sinne des Wortes eine reife Leistung!Fotos: Constantin Film Verleih GmbH
Abenteuer im Altersheim

Dinosaurier des Films
Nadja Tiller und Walter Giller galten in den 50er und 60er Jahren als das Traumpaar des deutschen Films. Sie sind inzwischen seit 54 Jahren verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn und eine Tochter. Zusammengerechnet spielten sie beide in über 200 Kino- und Fernsehfilmen mit, in einigen davon auch gemeinsam. Mehrfach schon wurden sie für ihr Lebenswerk geehrt. Nun standen sie im Alter von 80 und 81 Jahren für Leander Haußmann wieder vor der Kamera.



