LebensZeit - Februar_Magazin: Fern+nah

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Ausgabe Februar 2010

Brücke zwischen Orient und Okzident

Multi kulturell und kosmopolitisch – mit seiner fast dreitausend Jahre alten Geschichte ist Istanbul eine der ältesten Städte der Welt. Zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 wurde es ernannt, weil es Asien und Europa, Ost und West, Tradition und Moderne miteinander verbindet.


Die türkische Metropole am Bosporus hat sich lange auf die Ernennung zur Kulturhauptstadt vorbereitet und herausgeputzt. In den letzten Jahren wurden dazu zahlreiche Moscheen, Kirchen und sogar ganze Stadtviertel restauriert und erneuert und für das Jahr 2010 ein ganzjähriges Kunst- und Kulturprogramm entwickelt, das sich an den vier Elementen ausrichtet.


Istanbuls Kunst und Kulturprogramm 2010


01.01. – 20.03. Erde
Die Veranstaltungen der Wintermonate sollen einen neuen Blick auf das historische Erbe ermöglichen. Die traditionelle Kunst, die durch Sitten und Gebräuche geprägt ist, steht dabei im Vordergrund.


21.03. – 21.06. Luft
Die Veranstaltungen im Frühling befassen sich mit dem kulturellen Einfluss der Religionen. Sie stehen im Zeichen der Luft, wegen der vielen Minarette und Kirchtürme, die sich gen Himmel recken.


22.06. – 22.09. Wasser
Die Veranstaltungen im Sommer betonen das Element Wasser und das Meer, welches Istanbul in besonderem Maße geprägt hat. Die Ufer des Bosporus und des Goldenen Horns werden zur Kultur-Plattform.


23.09. – 31.12. Feuer

Die Veranstaltungen im Herbst widmen sich der zeitgenössischen Kunst. Im Mittelpunkt steht dabei das Feuer, das Wasser zu Dampf, Sand zu Glas und Holz zu Kohle wandeln kann.


Die Theorie der vier Elemente
Die Theorie, dass sich alles Leben auf der Erde aus den vier Elementen „Luft, Wasser, Erde und Feuer“ zusammensetzt, wurde von Thales von Milet (Westanatolien) aufgestellt und von Aristoteles weiterentwickelt. Von der Antike bis zur Renaissance bildete die Vier-Elemente-Theorie die Grundlage für Wissenschaft, Philosophie und Theologie.


Spuren der Vergangenheit


Mit mehr als 15 Millionen Einwohnern ist Istanbul heute die größte Stadt der Türkei und gilt als eine der ältesten durchgehend besiedelten Städte der Welt. Unter den Namen „Konstantinopel“, „Byzanz“ und „Istanbul“ war sie Hauptstadt dreier Weltreiche: des Oströmischen, des Byzantinischen und des Osmanischen Reiches. Über Jahrhunderte wurde die Metropole immer wieder von neuen Gruppen besiedelt, erobert und geprägt. Griechen, Römer, Perser, aber auch Kreuzritter, Tartaren, Genueser, Venezianer und
sephardische Juden aus Spanien haben ihre Spuren in Istanbul hinterlassen.


Perle des Orients

Istanbul erstreckt sich sowohl auf der europäischen als auch auf der asiatischen Seite des Bosporus. Das Goldene Horn, eine nach Westen verlaufende Bosporusbucht, trennt den europäischen Teil in einen südlichen und nördlichen Bereich. Auf der südlichen Halbinsel liegt das Sultanahmet- Viertel, seit 1985  Weltkulturerbe der UNESCO. Hier befinden sich Sehenswürdigkeiten wie die Hagia Sophia, die Yerebaten Zisterne, die Blaue Moschee, der Topkapi- Palast mit seinem Harem und der Gülhanepark (Rosenpark der Sultane).


Hagia Sophia

Die Kirche der Göttlichen Weisheit ist das größte frühchristliche Bauwerk und eines der schönsten. Im Jahr 2009 wurde bei Restaurationsarbeiten in der Hagia Sophia das gut erhaltene Mosaik eines Engelgesichts aus dem zwölften Jahrhundert entdeckt und freigelegt.

 

Topkapi Palast

Fünf Jahrhunderte lang residierten die osmanischen Sultane im Topkapi Palast. Der Topkapi Harem – Schauplatz von Intrigen und Machtspielen – sicherte dem Hause Osman lange Zeit den Nachwuchs und die Thronfolger.


Die Blaue Moschee

Mit ihren sechs Minaretten ist die Sultan Ahmet Moschee – auch die blaue Moschee genannt – ein Wahrzeichen Istanbuls.


Yerebatan Zisterne

Die Yerebatan Zisterne diente einst der Wasserversorgung des Sultanats und wird zu Recht auch als der „versunkene Palast“ bezeichnet. Über eine kleine Treppe kann man in die Tiefe steigen und wird überwältigt von dem riesigen unterirdischen Raum mit seinen 336 Säulen.


Emirgan Park

Zum Tulpenfest im April blüht der wunderbare Park mit seinen drei kleinen Schlösschen in unzähligen Farben.


Fremde Essgewohnheiten

Die Istanbuler begnügen sich morgens mit etwas Weißbrot, Schafskäse, Oliven, Tomaten und Honig zum Tee. Die meisten Hotels bieten mittlerweile aber auch ein reichhaltiges Frühstücksbüffets. Auch beim Mittagessen halten sich die Istanbuler eher zurück. Kleine Esslokale bieten schmackhafte Hausmannskost und Gemüse gerichte. Abends geht man in der Regel nicht vor 20 Uhr in ein Restaurant, um zu essen, zu plaudern und zu feiern. Fisch steht natürlich auf Platz eins der Speisekarte, frisch gefangen aus dem Bosporus oder dem Schwarzen Meer. Daneben bietet die byzantinische Küche eine gelungene Mischung aus Fleisch, Gemüse und Teigwaren. Gewürze jeder Art spielen hier eine wichtige Rolle. Für eine Teepause und ein kleines Schwätzchen ist immer Zeit.


Fotos: Kultur- und Tourismusministerium Ankara


Darauf sollten Touristen achten

  • Beim Bummeln macht man schnell die Bekanntschaft von „korsan“ (Piraten), die zum Besuch eines bestimmten Lokals oder Geschäftes verleiten wollen. Am besten ignorieren Sie diese Leute.
  • Istanbuls Kriminalität hält sich – verglichen mit anderen Touristenorten – in Grenzen. Trotzdem sollten Sie auf Taschendiebe achten.
  • Trinken Sie kein offenes Wasser bei Straßenhändlern, in Cafes oder Kneipen. Nicht alle sind unrein, trotzdem sollten Sie kein Risiko eingehen.
  • Die Ausfuhr von Kunst- und Kulturgütern aus der Türkei ist verboten. Der türkische Zoll kontrolliert genau.

Weitere Informationen zu Istanbul


www.staedte-reisen.de/istanbul
www.2010istanbul.de

Buchtipp für KrimiFans


Tatort Istanbul

Der Regisseur einer deutsch-türkischen Filmproduktion wurde in seiner Suite im Hotel Bosporus ermordet. Das ist für Kati Hirschel die Chance, als Detektivin in Aktion zu treten. Sie betreibt seit dreizehn Jahren einen Krimibuchladen in Istanbul und ist zudem eine neugierige Person. Außerdem ist sie mit der Hauptverdächtigen, der Schauspielerin Petra Vogel, befreundet. Für Kati Hirschel gilt es nicht nur, einen Mordfall zu lösen, sie räumt auch ganz nebenbei mit einigen deutsch-türkischen Vorurteilen auf. Und natürlich stimmen die Schilderungen von Straßennamen, Cafés und Restaurants so genau, dass man mit Kati Hirschel auch gleich Istanbul erkunden kann.
Esmahan Aykol:
Hotel Bosporus
Diogenes Verlag, Euro 8,90