LebensZeit - Dezember_Magazin: sicher + geschützt

Magazin                                       
Ausgabe Dezember 2009

Sicher und geschützt

Betrug und Trickdiebstahl:

Keine Chance für Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Mit welchen Strategien bringen Straftäter gerade ältere Menschen um ihr Vermögen? Woran sind Betrüger und Trickdiebe zu erkennen? Und  wie kann man sich davor schützen, ihnen zum Opfer zu fallen?

 

Ältere Menschen sind aufgrund ihrer Lebenserfahrung oft besonders sicherheitsbewusst und werden deutlich seltener Opfer eines Verbrechens als jüngere Erwachsene und Jugendliche. Eine Ausnahme bilden Betrug und Trickdiebstahl: In diesem Bereich werden ältere Menschen überdurchschnittlich oft als Opfer ausgewählt. Der Grund: Tricktäter setzen auf die Hilfsbereitschaft und Gutgläubigkeit älterer Menschen und nutzen ihr Bedürfnis nach Abwechslung und Geselligkeit schamlos aus. Stets freundlich, höflich und gut gekleidet, gewinnen Trickdiebe und -betrüger leicht das Vertrauen ihrer Opfer. Zudem leben viele ältere Menschen alleine, so dass die Kriminellen während der Tat nur eine Person täuschen müssen.


Wer die Maschen der Täter kennt, kann sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen. Hier finden Sie Informationen über häufig angewandte Methoden der Betrüger und Trickdiebe sowie Tipps

und Ratschläge, wie Sie es ihnen schwer machen, Sie zu betrügen oder zu bestehlen. Tipps gegen Tricks an der Haustür Viele Trickdiebe suchen ihre Opfer zu Hause auf: Sie tauchen – meist zu zweit – vor der Haus- oder Wohnungstür auf und versuchen, mit Hilfe von Lügen und Täuschungen in die Wohnung zu gelangen. Hierzu verwenden die schauspielerisch begabten Täter im Grunde nur ganz wenige Tricks, zu denen sie sich immer neue Varianten einfallen lassen: 


  • Sie täuschen eine Notlage (beispielsweise einen Unfall oder Übelkeit) vor und bitten um Hilfe oder eine Gefälligkeit (ein  Glas Wasser, die Erlaubnis, die Toilette oder das Telefon benutzen zu dürfen oder auch Papier und Bleistift, um eine Nachricht für einen Nachbarn zu hinterlassen). 

  • Sie täuschen eine  berufliche Funktion vor und kommen etwa als Handwerker, Mitarbeiter der Elektrizitätswerke, Polizeibeamte, Bankangestellte oder Postzusteller.

  • Sie täuschen eine persönliche Beziehung  vor und geben sich beispielsweise als Enkelkinder, entfernte Verwandte oder frühere Nachbarn aus.


Wird den Tätern der Zutritt zur Wohnung gestattet, lenkt einer von ihnen das Opfer ab, während der oder die andere nach Wertgegenständen sucht. Den Diebstahl bemerkt die betroffene Person erst später. Beachten Sie deshalb folgende Hinweise:


  • Vergewissern Sie sich vor dem Öffnen der Tür durch den Spion oder über die Sprechanlage, wer zu Ihnen will.

  • Öffnen Sie die Tür immer mit vorgelegtem Sperrbügel oder Sicherheitskette.

  • Lassen Sie niemals Fremde in Ihre Wohnung, wenn Sie allein zu Hause sind. Bestellen Sie unbekannte Besucher zu einem späteren Termin wieder, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.Bieten Sie bei einer angeblichen Notlage an, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte (Schreibzeug, Glas Wasser) hinauszureichen.

  • Lassen Sie nur Handwerker hinein, die Sie selbst bestellt haben oder die von der Hausverwaltung angekündigt wurden.

  • Lassen Sie sich von angeblichen Amtspersonen einen Dienstaus weis zeigen und prüfen Sie ihn sorgfältig auf Druck, Foto und Stempel. Rufen Sie im Zweifel die Behörde an. Lassen Sie dabei die Tür versperrt. Suchen  Sie die Telefonnummer selbst heraus.

  • Verraten Sie niemandem Ihre Kontodaten oder die PIN.


Tipps gegen Tricks von Taschendieben


Taschendiebe suchen ihre Opfer dort, wo ihnen viele Menschen Deckung bieten: in öffentlichen Verkehrsmitteln, an Haltestellen, auf Bahnhöfen, in Kaufhäusernund Supermärkten oder auf Großveranstaltungen. Die Täter arbeiten meist in Gruppen: Damit einer von ihnen unbemerkt das Portemonnaie aus der Tasche „ziehen“ kann, lenken die anderen das Opfer mit einem Trick ab:


  • Im Gedränge werden Sie „versehentlich“ angerempelt. Wenn sich der Dieb entschuldigt und verschwindet, ist die Brieftasche schon gestohlen.

  • Jemand fragt Sie nach dem Weg und hält Ihnen einen Stadtplan vor. Während Sie sich orientieren, plündert der Täter Ihre Tasche.

  • Ein Fremder bittet Sie, ihm Geld zu wechseln. Während Sie nach Münzen suchen, entwendet der Täter unbemerkt Scheine.

  • Sie werden „versehentlich“ mit Ketchup, Eis oder einer Flüssigkeit bekleckert. Beim Reinigungsversuch verschwindet das Geld aus Ihrer Tasche.

  • Manche Täter beobachten ihr Opfer beim Einkaufen und bieten scheinbar hilfsbereit an, den Einkauf nach Hause zu tragen. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus.


Die Betroffenen bemerken den Diebstahl meist erst, wenn der oder die Täter längst im Gedränge verschwunden sind. Dem können Sie vorbeugen:


  • Nehmen Sie keine größeren Bargeldbeträge mit.

  • Tragen Sie Geld, Schecks, Kreditkarten und Papiere immer in verschiedenen verschlossenen Innentaschen Ihrer Oberkleidung dicht am Körper statt in der Handtasche.

  • Tragen Sie Ihre Hand- oder Umhängetasche verschlossen unter den Arm geklemmt oder auf der Körpervorderseite mit dem Verschluss zum Körper.

  • Lassen Sie Fremde nicht in Ihre Geldbörse schauen.


Tipps gegen Tricks bei Vertragsabschlüssen


Ob in der Wohnung, bei Freizeitveranstaltungen oder auf einer sogenannten „Kaffeefahrt“ – skrupellose Geschäftemacher verstehen sich darauf, ihre Kundschaft zu überrumpeln, eine geschäftliche Erklärung abzugeben. Oftmals  locken die redegewandten Täter ihre Opfer mit angeblich sehr günstigen Angeboten oder gar mit dem Hinweis, der Erlös fließe sozialen Zwecken zu. Um zu verhindern, dass Sie Ihre Unterschrift unter einen komplizierten Vertrag  mit Haken und Ösen setzen, sollten Sie darauf achten,


  • einen Verkäufer gar nicht erst in die Wohnung zu lassen, wenn Sie das nicht möchten,

  • sich nicht unter Druck setzen oder verwirren zu lassen,

  • keine Unterschriften für angebliche Geschenke oder Besuchsbestätigungen zu leisten (Damit könnten Sie ungewollt ein Abonnement bestellen!),

  • nichts zu unterzeichnen, was Sie nicht ganz genau verstanden haben,

  • falls Sie doch unterschreiben, eine Vertragsdurchschrift zu fordern, auf der Name und Anschrift des Vertragspartners deutlich lesbar sind, sowie

  • auf keinen Fall in bar zu zahlen.


Bei sogeannten „Haustürgeschäften“ können Sie als Kunde übrigens in den meisten Fällen innerhalb von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen.


Vorsicht, falsche
r „Enkel“!

Beim sogenannten „Enkeltrick“ setzen die Täter auf die Bereitschaft älterer Menschen, einem Familienmitglied zu helfen. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei ihren Opfern an, geben sich als Enkel, andere Verwandte oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Geld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass (beispielsweise Auto- oder Computerkauf) oder eine Notlage (Unfall) vorgetäuscht.  Erklärt sich das Opfer hilfsbereit, kündigt der Betrüger einen Boten an, der das Geld abholt. Auf diese Weise haben Täter in der Vergangenheit bereits Beträge von über 20.000 Euro erbeutet. Lassen Sie es nicht so   weit kommen:


  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen.

  • Verraten Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen und geben Sie auf keinen Fall Ihre Kontodaten heraus.

  • Lassen Sie sich von einem Anrufer nicht drängen oder unter Druck setzen. Vereinbaren Sie frühestens für den kommenden Tag einen weiteren Gesprächstermin und halten Sie bis dahin bei Familienangehörigen Rücksprache.

  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.


Fotos: Fotolia / edbockstock u. Digitalpress


Weitere Informationen


Diese Informationen zum Thema Betrug und Trickdiebstahl sind zum Teil der Broschüre „Der goldene Herbst: Sicherheitstipps für Seniorinnen und Senioren“ des Programms Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes entnommen. Weitere Informationen unter www.polizei-beratung.de