Magazin
Ausgabe August 2009
Fit und gesund


Ohhhmmm - Yoga ist in
Ob Übergewicht, Stress, Schlafprobleme, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder um einfach zu entspannen: Yoga - regelmäßig praktiziert - kann Wunder wirken. Gabriele Albert* über ihre Erfahrungen und das Phänomen Yoga.
Wer Yoga hört, denkt oft an weißhaarige, gestählte Männer, die - so beweglich wie Weltklasseakrobaten - selbst in den irresten Verwindungen weise lächelnd Lebensweisheiten zum Besten geben. Oder an esotherisch angehauchte Damen, die im Indienlook einschweben, ihre Mitmenschen mit Duftkerzen traktieren, bevor sie im vollendeten Lotussitz den Einklang mit dem Universum herbeiatmen. Alles netter Schnickschnack - zumindest in meiner Yogawelt sind die Schwerpunkte komplett anders: Wie viele abendländische Yogaanhänger bevorzuge ich das so genannte "Hatha-Yoga". Im Gegensatz zum Raja-Yoga, Bhakti-Yoga oder Gyan-Yoga, die alle einen meditativen Schwerpunkt haben, konzentriert sich Hatha-Yoga auf körperliche Übungen, die mit einer Bewusstseins- und Atemkontrolle koordiniert werden. Theoretische Zielvorgabe des Hatha-Yoga: Den Körper beherrschen, damit sich Geist und Seele frei entfalten können.
Ein weiter Weg, zu weit und zu hart für die meisten von uns - für mich ganz sicher. Ich bin schon zufrieden, wenn ich meine Atmung kontrollieren kann, lerne, mich zu entspannen und durch die richtige Auswahl verschiedener Asanas (Körperstellungen) beweglich bleibe. Besonders für die Wirbelsäule ist regelmäßiges Yoga eine Wohltat. Die meisten Übungen, die man in den Rückenschulen oder in speziellen Wirbelsäulengymnastik- Stunden kennen lernt, stammen übrigens aus dem Yoga und tragen so tierische Namen wie Krokodil, Kobra oder Katzenbuckel. Auch das neue Zauber-Training Pilates ist in erster Linie eine Weiterentwicklung vieler Yogaübungen.
Was ist Yoga: eine Sportart, eine Lebenseinstellung?
Yoga ist das älteste überlieferte Übungssystem für eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen und stammt aus Indien und zum Teil aus Tibet. "Das Wort Yoga kommt aus der indischen Gelehrtensprache Sanskrit, wo es aus dem Begriff Yui abgeleitet wurde, der übersetzt 'verbinden, anbinden, anjochen' bedeutet. Das deutsche Wort Joch hat sich aus demselben Wortstamm entwickelt", erklärt Yogalehrer Thomas Wesselhöft in seinem Buch "Eins werden mit sich und der Welt - Kundalini- Yoga"**. Genauso wie das Joch die Zugtiere mit dem Wagen verbindet, führte auch Yoga zwei Teile zusammen: Das endliche mit dem unendlichen Sein. Für das praktische Leben bedeutet Yoga also, den Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstverwirklichung zu beschreiten. Soweit in Kürze der theo retische Überbau.
Yoga gibt es für Jedermann - und jede Frau
Yoga ist in. Jeder, der was auf sich hält, hat seinen "Personal"-Yogalehrer. Madonna, Sting und andere Promis machen es vor. Reicht es für den eigenen Guru nicht aus, gibt es die individuelle Betreuung mittlerweile in jedem guten Wellness-Hotel oder in den vielen kleinen Yogastudios, die sich in jeder Stadt etabliert haben. Für den schmalen Geldbeutel und die Freunde von gruppendynamischen Prozessen bleibt das schier unüberblickbare Yogaangebot von Fitness- Studios, Sportvereinen, Volkshochschulen, Familienbildungsstätten, städtischen Einrichtungen etc. Ob Power-Yoga, Pilates, Yoga für Schwangere, Yoga für Jedermann - oder jede Frau: der Markt hat das Potenzial von Yoga erkannt und entsprechend reagiert. Gerade der Winter mit seinen langen dunk len Abenden eignet sich hervorragend für eine Schnupperstunde und den Einstieg ins Reich der Yogis. Egal ob Übergewicht, Stress, Schlafprobleme, Rückenschmerzen, Verspannungen, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen oder Ähnliches: Regelmäßiges Yoga kann wirklich Wunder wirken.
*Gabriele Albert ist stellvertretende Chefredakteurin von next, den Jugendseiten der Zeitschrift Arbeit und Gesundheit.
**Thomas Wesselhöft: Eins werden mit sich und der Welt - Kundalini-Yoga, Herz-Verlag, 2004
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